STAR BASS

Mehr Bass made in Germany geht nicht: Hopf Saturn 67! Seine älteren Schwestern hießen Saturn 63 und wurden weltbekannt, weil eine von ihnen im Logo des Hamburger Star Clubs auftauchte. Es gab sie in Sunburst, blond und, vermutlich gefärbt, in schwarz und rot. Hopf-Saturn-Gitarren haben mich immer fasziniert, und ich habe mehrere Exemplare gespielt, sie teils auch restauriert bzw. gerettet was zu retten war. Bei etlichen Saturns waren die Verfallserscheinungen belastend: das Pickguard fehlte oder bröckelte, die eingelegten Bindings fielen aus den Haltefugen, manche Hälse waren von .013er Flatwounds @ 30 Jahre Zentralheizung unwiederbringlich zu Slide-Dienstleistern degeneriert, die Elektrik schächelte, die Flügel der Stimmmechaniken schrumpften und fielen ab. Das war deprimierend, denn teilweise waren es vom Erhaltungsgrad eigentlich near-mint-Exemplare, echte Sammlerstücke im Originalkoffer. Den eigenen Verfall zu beobachten beschäftigt dich schon ein Leben lang, und dann sowas … Ich habe sie alle verkauft.

Dann tauchte irgendwo dieser Bass auf: Der abgerockte, dreckig grinsende kleine Bruder der Saturnas. Saturn 67 kam ohne Koffer, ohne Saiten – und blieb. Ein wirklich wunderschönes Instrument mit eigenem, plastischen Ton, ein Bass, der sich einfach mal so zwischendurch auf dem Sofa zupfen lässt, denn sein zwar schlanker aber vollakustischer Korpus, ohne Block im Inneren, verstärkt ordentlich.

Dieser Mix aus Nierentisch-Design der 50er-Jahre, der zeitgeistigen Modellbezeichnung mit Weltraumbezug (von Hopf gab es auch noch die Gitarren Jupiter, Cosmos, Telstar, Satellite und Galaxie als Stratocaster-Pendants), und dem Familiennamen bei dem man an den deutschen Wald denkt, ist einfach faszinierend. Ebenso, dass erstklassiges, traditionelles Handwerk, Rock ‘n’ Roll und kreative Gestaltung und Individualität aus einer hessischen Kleinstadt Kult wurden. Nachfahre der Brüder Willy und Wolfgang Hopf ist Dieter Hopf, der 1968 die Meisterprüfung im Instrumentenbau ablegte und mit dem “Dieter Hopf Gitarren-Atelier” später seine eigene Firma gründete, die sich auf hochwertige Klassikgitarren spezialisierte. Die modernen Designs der hier vorgestellten elektrischen und elektroakustischen Hopf-Instrumente wie der Saturn gehen auf ihn zurück. Es gab auch noch einen riesigen Archtop-Bass von Hopf, mit Full-Body-Korpus, der vermutlich aus den späten 50ern stammte und extrem selten ist. Und dann war da noch der SG-ähnliche Hopf-Studio-Bass, mit dem Lemmy Kilmister Anfang der 70er-Jahre mal gesichtet wurde …

Mit seinen Narben, eigenwilligem Rock-‘n’-Roll-Flair, der guten Laune und dem Immer-spielen-wollen-Faktor ist der Saturn-Bass für mich ein echter Keith Richards – ein Überlebender aus der Zeit als Brian Jones mal kurz die Sterne besuchte und nicht wieder zurückkam. Das ist mein Star Bass! Sorry, Framus ;-) Er steht vor meinem CD-Regal, irgendwo zwischen Rolling und Roxy links und Johnny Guitar Watson, Zappa und ZZ. rechts – und grinst mich an.

Das schöne Bild im Hintergrund des ersten Fotos stammt übrigens von der Kölner Künstlerin Karin Galow-Böhle aka C. Binar. Und wo wir gerade beim Thema Kunst sind: Auf der Rückseite meines Saturn-Bass hat sich ein Roland ritzend verewigt. Roland Orzabal? Roland Kaiser? Roland Meyer de Voltaire? Oder der legendäre Roland TB-303? Ganz egal, bitte melden! Vielleicht hat der frühere Besitzer dieses Signature-Instruments ja noch mehr zu erzählen als ich.

 

 

HOPF SATURN 67
Shortscale Thinline Softline E-Bass
Schichtholz-Hals mit Palisandergriffbrett
Zwei Singlecoil-Tonabnehmer
Mischpult-Regeleinheit von Schaller; der ältere Saturn-63-Bass
hatte noch eine 3-Pol-DIN- Buchse.
Made in Germany by Hopf, Taunusstein
und externen Instrumentenbaueren wie Gustav Glassl u.a.
Gebaut von ca. 1962 bis 1970
Verkaufspreis: ca. 400 bis 500 DM

 

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